Es geht los

Donnerstag, 11.09.2014

 

"Warum denn ausgerechnet nach Albanien?" sind wir öfter gefragt worden, oder manchmal auch "wo ist das denn überhaupt?" Die Frage nach dem wo lässt sich schnell beantworten: Albanien liegt zwischen Montenegro und Griechenland, ungefähr eineinhalb Flugstunden von Deutschland entfernt.

Das warum ist auch einfach zu beantworten: Albanien ist so lange Zeit ein weißer Fleck auf der europäischen Landkarte gewesen, dass man kaum jemanden kennt, der schon mal dort gewesen ist. Das Land ist touristisch noch nicht besonders stark ausgebaut und wir wollten es gerne sehen, bevor die Investoren es entdeckt haben. Weil ich aber nicht besonders risikofreudig bin fahren wir nicht mit dem Lexus, sondern machen eine Studienreise mit Ikarus Tours.

Jetzt sind die Koffer gepackt und morgen früh geht es endlich los. Wir fliegen von Frankfurt über München, wo wir mit dem Rest unserer kleinen Reisegruppe (wir sind nur 9 Personen) zusammentreffen und dann weiter nach Tirana, wo uns der Reiseleiter erwartet. Von dort fahren wir direkt weiter nach Norden, zuerst nach Kruja und übernachten dann in Shkodra.

Da weder Albanien noch Mazedonien der EU angehören werden wir wohl keine Auslandsflatrate fürs Handy buchen können, allerdings gibt es in den meisten Hotels angeblich WLAN, so dass ich mein Reiseblog dann abends schreiben werde. In den albanischen Alpen sind wir vermutlich aber am Wochenende gleich mal zwei Tage ganz offline, bevor wir am Montag in den Kosovo und anschließend nach Mazedonien fahren.

Über Kommentare freuen ich mich sehr, dann weiß ich doch wenigstens auch gleich, dass jemand mitliest. Übrigens muss man zum kommentieren nicht unbedingt die mailadresse angeben, x@y.de reicht völlig aus. Der Name wäre aber natürlich gut ;-)

 

 

  

Freitag: Tirana - Kruja - Shkrodra

Freitag, 12.09.2014

So, heute sind wir in Shkodra angekommen, aber das war wirklich ein langer Tag!

Morgens sind wir um um fünf Uhr mit dem Taxi zum Flughafen gefahren, die Maschine nach München sollte um 7.15 Uhr gehen. Um 7.30 Uhr fehlten aus unerfindlichen Gründen noch 50 Passagiere, so dass deren Gepäck wieder ausgeladen werden musste. Außerdem funktionierte ein Rauchmelder nicht, deshalb musste ein Techniker an Bord kommen. Mit einer Dreiviertel Stunde Verspätung sind wir dann endlich gestartet - und wir hatten doch in München nur eine Stunde Zeit zum umsteigen.

Ich hatte schon leichte Panikattacken - würden wir das schaffen und würde unser Gepäck das schaffen? Aber die Münchner sind echt super organisiert, in dem Flieger waren sechs Leute die nach Tirana wollten und wir wurden direkt mit einem extra Shuttlebus zuerst zum Zoll - wir mussten ja noch durch die Passkontrolle - und dann direkt zu unserem Anschlussflug gebracht. Ich habe zwar den ganzen Flug über gezweifelt, ob das Gepäck auch rechtzeitig mit umsteigen konnte, aber auch das haben die Münchner prima geschafft.

In Tirana haben wir dann unsere Reisegruppe getroffen und seitdem waren wir quasi permanent auf Achse von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten. So eine Studienreise ist ja echt anstrengend :-)

In Kruja haben wir das Skanderbeg- Museum besichtigt, benannt nach dem albanischen Nationalhelden, der Albanien im 15. Jahrhundert lange Zeit gegen die Osmanen verteidigt hat. Nach seinem Tod haben die Osmanen es dann aber doch noch geschafft, Albanien zu erobern und gleich 400 Jahre zu beherrschen, aber Skanderbeg ist trotzdem der Held.

Nach Besichtigung des ethnografischen Museums und einem eiligen Mittagessen ging es weiter nach Shkodra. Unterwegs fiel uns auf, dass ungefähr alle 500 Meter eine Tankstelle ist, sehr seltsam. Benzin kostet nicht viel weniger als in Deutschland, bei einem Durchschnittseinkommen von 250 Euro ist das wirklich teuer.

Vor sehr vielen Häuser stehen ein, zwei Kühe oder ein paar Schafe grasen davor. Die Leute sind wirklich teilweise sehr arm, aber einige fahren auch mit dem Porsche Panamera herum.

In Shkrodra haben wir dann eine Zitadelle und eine katholische Kirche angeschaut, einen Gang durch die sehr belebte Altstadt gemacht und waren dann endlich am Hotel angekommen. Der Muezzin der genau gegenüberliegenden großen Moschee wird uns sicher morgen rechtzeitig wecken - denn wir starten um sechs Uhr Richtung Konan Stausee zu einer Fahrt mit der Fähre und danach geht es in die Alpen nach Valbona.

 

von Shkodra nach Valbona

Samstag, 13.09.2014

Heute war laut Reisebeschreibung "der Weg das Ziel", leider war dieses aber fast komplett verregnet. Vor dem Frühstück haben wir schon eine zweistündige Busfahrt hinter uns gebracht um zum Staudamm zu kommen, wo das ziemlich einzigartige Schiff nach Fierza auf uns wartete. Man hat einfach den Fahrgastraum eines alten deutschen Reisebusses aus den 70er Jahren auf ein Boot geschweißt. Normalerweise bleiben die Passagiere draußen und bewundern die tolle Schlucht des Flusses Drin- aber heute regnete es leider meistens sehr heftig. Das Foto musste ich leider klauen - zu Fotografieren regnete es zu stark.

Wir fuhren anschließend über teilweise abenteuerliche Schotterpisten in Valbonatal, wo wir zwei Tage bleiben sollten. Das 3-Sterne-Hotel wird von einer Deutschen, die mit einem Albaner verheiratet ist, geführt und entspricht eher einem Gästehaus als einem Hotel. Fernseher oder Heizung gibt es nicht, aber alles ist sehr neu und sauber und die Küche ist sensationell lecker.

 

 

Wandertag

Sonntag, 14.09.2014

Erkenntnisse des Tages:

Ziegenbutter schmeckt definitiv nach Ziege!

Meine überteuerte Jack Wolfskin Regenjacke ist total undicht.

Unter "leichter Wanderung, 2-4 Stunden" versteht Ikarus Tours ganz was anderes als wir.

Die Wanderung war sehr schön - aber das Gelände so schwierig, dass drei aus unsere Gruppe sich nach halber Strecke von einem zufällig vorbeikommenden Taxi zurückbringen ließen. Und die richtig schwierige Strecke kam dann erst noch! Zuerst ging es durch ein ausgetrocknetes Flußbett, wo aber immer wieder kleinere Wasserläufe überquert werden mussten. Andere Leute zahlen für solche Teambildungsevents, wo sie mit Steinen eine Überquerung bauen und sich gegenseitig übers Wasser helfen, einen Haufen Kohle, aber bei uns war das heute mehrfach inbegriffen. Unterwegs gab es eine Kaffeepause bei einem urigen Café, leider gibt es hier in den Bergen nur die Wahl zwischen Mokka und Mokka mit Zucker. Und Raki bekommt überall zu jeder Uhrzeit und diesen Traubenschnaps hat fast jeder gerne bestellt, wir sind aber tagsüber doch lieber ohne Schnaps auf Wanderschaft.

Der zweite Teil wurde dann richtig steil und man durfte über große Steine bergauf klettern, und wieder einige Bachläufe überwinden. Bernd ist leider ein bisschen ins Wasser geraten aber seine Hosen sind bis abends fast getrocknet und die Wanderschuhe werden sicher bis zur nächsten Wanderung wieder trocken sein. Ziel war ein Wasserfall, den wir auch alle erreicht haben. Leider kam dann aber der Regen wieder und wir wanderten, nach dem Abstieg, der noch etwas anstrengender war als der Aufstieg, durch einen hübschen Birkenwald zu einem kleinen, sehr einfachen Restaurant, wo wir unser Lunchpaket essen konnten und einen leckeren Bergtee bekamen. Die anderen bekamen natürlich wieder Raki dazu. Auf dem letzten Kilometer der Wanderung kam dann sogar noch die Sonne raus.

 

 

Montezumas Rache oder so - und Tagesfahrt in den Kosovo

Montag, 15.09.2014

Das Abendessen gestern in Valbona war fantastisch - und hat dazu geführt, dass wir heute früh sechs Leute mit Magen-Darm-Problemen hatten. Ich bin natürlich auch dabei. Wir haben den hausgemachten Joghurt im Verdacht, den die Wirtin sehr lecker mit Zwiebeln und Knoblauch angerichtet hatte. Joghurtbakterien sind in jeder Region anders, und man muss durchaus nicht jede Sorte vertragen.

Da es auch unseren Reiseleiter erwischt hat haben wir die heutigen Ausflugsziele etwas verändert und eine Wanderung weggelassen. Ich habe eine Runde Kohletabletten ausgegeben nachdem diverse andere Medikamente nichts genützt haben.

Mittags konnten wir dann alle wieder ein bisschen was essen, das Schlimmste scheint vorbei zu sein. Wir sind heute früh, teilweise noch leicht angeschlagen, in den Kosovo bis nach Prizren gefahren. Die Straßen hier sind deutlich besser als in Albanien und die Bewohner längst nicht so arm wie die Nordalbaner. Im Kosovo stehen die Kühe wie in Deutschland einfach auf der Weide, während sie in Nordalbanien eigentlich immer nur zusammen mit einem Hirten gesehen werden, der sie den ganzen Tag bewacht.

Auch im Kosovo gibt es überraschend viele Tankstellen, der Liter Super kostet heute 1,18 Euro. Übrigens zahlt man im Kosovo tatsächlich mit Euro, der hier die offizielle Währung ist. Natürlich gehört der Kosovo nicht der Währungsunion und ja auch nicht der EU an, also haben sie den Euro unilateral ohne Abkommen mit der EU  eingeführt.

Wir sind dann heute noch bis nach Skopje in Mazedonien gefahren, wo ich jetzt auch erst mal Schluss mache und ins Bett falle. Das hochladen von Fotos ist unterwegs schwierig, das Internet ist nicht wirklich überall vorhanden, aber ich tue mein bestes.

  Prizren im Kosovo

Bitola und Ohridsee

Dienstag, 16.09.2014

Heute Nacht hat sich Montezuma auch noch den Bernd geholt und tagsüber ging es dann noch der philippinischen Frau unseres Professors und dem Professor selber schlecht. Und ich habe leider einen Rückfall und habe mich jetzt gleich mal mit Magenschmerzen ins Bett gelegt.

Der Professor ist übrigens wirklich einer, und zwar für Sprachwissenschaften an der Uni Augsburg. Er übersetzt uns immer die kyrillischen Schilder, sehr praktisch. 

In Bitola haben wir ganz interessante alte Ausgrabungen gesehen, glaube ich wenigstens dass sie interessant waren, ich schwächelte da schon wieder, aber Bernd ging es dafür wieder relativ gut. 

Die Straßen in Mazedonien sind sehr schlecht, auch die Autobahnen, die noch dazu recht viel kosten.

Mit unserem Hotel, in dem wir eine Nacht bleiben sollten, hat die Agentur wohl was versemmelt, jedenfalls hatten sie keine Reservierung für uns und auch nichts mehr frei. Zum Glück konnten wir aber auf das sehr viel bessere Hotel in Ohrid ausweichen, wo wir jetzt drei Nächte bleiben können. Von der Gegend habe ich bis jetzt nur den sagenhaften Seeblick aus unserem Zimmer gesehen, ich bleibe heute im Bett und trinke Tee. Bernd ist alleine zum Abendessen gegangen ( igitt, Essen!) und lädt vielleicht nachher noch ein paar Fotos hoch. 

Hoffe ich bin morgen wieder fit, sonst bleibe ich einfach hier auf dem Balkon, blicke rüber auf die albanische Seeseite und knabbere Zwieback.-------------------

Bernd:
Und ich sitze hier am Netbook und leses gerade den Kommentar meiner netten Kollegin (halte durch) und meines ... Chefs. Na warte "Eierkohlen"... ;-)

Außerdem habe ich gerade den Wikipedia Eintrag gelesen und kann nun mehr nachvollziehen, warum das Hotel in Skopje beim albanischen Nummernschild das Albanien-Zeichen abklebte.

So, da ich schreibfaul bin überlasse ich jetzt Beate wieder die nächsten Einträge. :-)

@Kollegin: der größte Teil ist so um die 50, würde ich mal schätzen. Der älteste Teilnehmer ist grad 83 geworden und nahm vor ca. 5 Wochen an einer Spitzbergen-Expedition teil, den haut auch kein Magen-Darm Problem so schnell um. ;-)

 

 

 

Ohridsee

Mittwoch, 17.09.2014

Die Mazedonier können die Albaner nicht leiden. In unserem Hotel in Skopje haben die Hotelangestellten extra das albanische Nummernschild unseres Busses mit Papier überklebt, weil es oft vorkommt dass solche Kennzeichen mit Farbe vollgesprüht werden.

An der mazedonischen Grenze wurden wir extra scharf kontrolliert und bekamen nur einen ganz schäbigen bleichen Stempel in den Pass, weil der Reiseleiter sich weigerte dem Zöllner 5 Euro für Stempelfarbe zuzustecken.

Unsere Gruppe macht heute eine Stadtbesichtigung in Ohrid. Ich mache nicht mit, nachdem es mir heute Nacht noch etwas schlechter ging bleibe ich heute im Bett. Die Stadtbesichtigung holen wir vielleicht morgen nach, wir bleiben ja noch zwei Nächte hier. 

Das Hotel ist wirklich superschön, von der Lage her Klasse und auch von der Einrichtung, aber die Bausubstanz ist grottenschlecht. Sämtliche Türen sind verzogen weil sich die Böden gesetzt haben, unsere Toilettentür geht schon gar nicht mehr zu, und die Fliesen sind größtenteils locker. 

unsere Reisegruppe

Mittwoch, 17.09.2014

Unsere Reisegruppe besteht aus 12 Teinehmern, dem Reiseleiter und dem Fahrer.

Ich denke Bernd ist der Jüngste, der Älteste ist 83 und hatte am ersten Reisetag Geburtstag. Wurde mit Raki gefeiert, natürlich. Außerdem gehören drei Paare aus Berlin dazu, die schon seit Jahren gemeinsam verreisen und eine Dame um die 40 aus Köln. Und natürlich unser Professor, der sich seit zwei Jahren weigert in den Ruhestand zu gehen, weil ihm seine philippinische Frau sonst zu Hause den ganzen Tag auf die Nerven geht ;-)

Seni, unser Reiseleiter, hat zehn Jahre in Deutschland gelebt und spricht deshalb sehr gut deutsch. Aber auch Genti, der Chauffeur, kann deutsch, englisch und russisch. Bis jetzt konnten wir uns überall mit den Albanern und Mazedoniern gut verständigen, weil die meisten englisch sprechen und einige sogar etwas deutsch. 

geocachen in Ohrid

Donnerstag, 18.09.2014

Ich bin wieder fit! 

Gut, dass ich gestern den ganzen Tag im Bett geblieben bin. Erwähnte ich schon, dass das Hotel ganz gut ist? 

Wir haben uns heute mit dem Taxi für 200 Denar ( etwa 3 EUR) die 5 oder 6 km zur kleinen Kirche St. Jovan Kaneo bringen lassen, dort in Nähe wollten wir einen Geocache suchen, den wir zum Glück auch gefunden haben. Der Ort ist sehr schön, die Geschäfte ganz witzig und der See natürlich toll.

Wir haben viel fotografiert, aber das hochladen hier dauert ewig, deshalb kann ich nur Bilder nehmen die ich mit dem IPhone gemacht habe. 

Wir haben als Rekonvaleszenten auf die traditionelle mazedonische Küche verzichtet und Spaghetti mit Tomatensoße zu Mittag gegessen.

Der Taxifahrer auf dem Rückweg wollte uns ein bisschen übers Ohr hauen. Zwar verlangte auch er nur die hier üblichen 200 Denar, mehr darf man wohl gar nicht verlangen, aber er behauptete, nicht auf 1000 Denar rausgeben zu können. Alternativ sollten wir 5 Euro zahlen. Bernd wechselte dann lieber den Tausender an der Rezeption, denen das Benehmen des Taxifahrers sehr peinlich war. "Don't give him a tip", ermahnten sie uns eindringlich, nicht etwa noch Trinkgeld zu geben.

Heute Abend ist noch ein Ausflug in ein mazedonisches Restaurant vorgesehen und morgen früh geht es weiter nach Tirana.

 

 

Tirana

Freitag, 19.09.2014

Tirana bereitet sich auf den Papstbesuch am Sonntag vor. Überall ist Polizei, die schon mal probeweise den Verkehr regelt und wir haben ein Fernsehteam gesehen, das zur Probe das Papstauto filmte.

Ansonsten kommt mir Tirana bis jetzt ziemlich laut und dreckig vor. Das Hotel hat 4 Sterne, aber angeblich geben die Hotels sich die Sterne selbst. In Deutschland würde es höchstens einen bekommen. Morgen bekommen wir angeblich ein besseres Zimmer ( das beste, das sie haben), ich bin gespannt.

Unterwegs in Elbasan haben wir eine der ältesten orthodoxen Kirchen besichtigt, ich glaube Walter Moers muss sich da Anregungen für seine Figuren geholt haben .

 

 

 

Tirana und der Papst

Samstag, 20.09.2014

Wir haben ein neues Zimmer bekommen - kaum zu glauben was es innerhalb desselben Hotels für Unterschiede gibt.

Dieser Papstbesuch macht ganz Tirana verrückt. Heute fing unser Tag mit einer Stadtführung an und überall begegneten uns wieder Kamerateams, die uns für irgendeinen albanischen Fernsehsender zum Papstbesuch interviewen wollten. Außerdem sind die Straßen, durch die der Papst morgen kommt, bereits abgesperrt und ganz sauber. Selbst das Skanderbeg-Denkmal wurde geputzt. An der Schnellstraße zum Flughafen hat man die Böschungen, wenn das Gras nicht so schön war, mit grüner Farbe vollgesprüht, damit es ordentlich aussieht. Es sieht aber eher peinlich und auffällig aus, ganz doof ist der Papst ja nun auch nicht.

 

 

Ein Stück Berliner Mauer und ein Bunker aus Enver Hoxhas Zeiten:

Der paranoide Ex-Diktator Enver Hoxha hatte in seiner Regierungszeit in seinem Verfolgungswahn das ganze Land mit etwa 750.000 solcher Bunker verschandelt, viele davon sind inzwischen gesprengt worden, aber etliche sind stehen geblieben und man sieht sie immer mal unterwegs.

Auffällig viele deutsche Taxis fahren hier herum, überhaupt kaufen die Albaner gerne deutsche Gebrauchtwagen, der Import ist angeblich problemlos möglich. Es gibt aber auch sehr viele Gebrauchtwagenhändler mit einer großen Auswahl an alten Mercedes oder VW, die hier am beliebtesten sind.

 

 

In ganz Albanien, aber auch in Mazedonien sieht man immer wieder die Fahne der Europäischen Union, die Leute hier sind voller Hoffnung auch bald dazuzugehören, aber ich glaube bis dahin ist noch ein langer Weg .

" Lavazh" heißt Autowäsche auf albanisch. Ungefähr das einzige albanische Wort (außer "Tuleta"), dass ich mir merken konnte, denn in Albanien gibt es alle paar Meter jemanden, der sich sein Geld mit autowaschen verdient. 

Die Häuser in Albanien sind größtenteils in einem schrecklichen Zustand, gesund kann das nicht sein so zu wohnen.

 

Wieder zurück

Montag, 22.09.2014

So, da sind wir nun also wieder zurück im etwas kühleren Deutschland. Wegen dem Besuch des "Papa" wurde die Straße zum Flughafen ab 8 Uhr gesperrt, deshalb mussten wir schon um 7 Uhr aufbrechen, obwohl unser Flug erst mittags ging. Der Flughafen war dementsprechend überfüllt. Vom Papst haben wir immerhin sein Flugzeug (die Maschine wird sonst immer im ganz normalen Linienbetrieb eingesetzt, er hat gar kein eigenes Flugzeug)  gesehen, der Tirana Airport ist ja eher übersichtlich mit seiner einen Start- und Landebahn.

 

 

Fazit

Montag, 22.09.2014

Ich fand diese Tour total interessant, die Länder sind auf jeden Fall alle eine Reise wert und wir schließen nicht aus, mal alleine nach Skopje und an den Ohridsee zu reisen. Albanien ist faszinierend "anders", besonders in Nordalbanien sind manchen Dörfer kaum erreichbar, leben viele Familien so abgeschieden, dass keine Straße zu ihrem Haus führt sondern sie nur ab und zu mit dem Fährboot auf dem Fluß Drin zu erreichen sind, dazu muss sich dann jemand aus der Familie zu der nicht immer leicht zu erreichenden provisorischen Anlegestelle aufmachen. Die ärztliche Versorgung in Albanien ist ohnehin sehr schlecht, in den Bergen aber ist man teilweise wirklich abgeschnitten von der Zivilisation. Manche verlassen im Winter die Berge um in Shkrodra zu leben, aber für viele dürfte das gar nicht möglich sein.

Auch die Blutrache gibt es wirklich noch. In Shkrodra gibt es ein Haus, in dem etwa 20 bis 30 Kinder unter Bewachung leben und unterrichtet werden, weil sie nicht bei ihren Familien bleiben können, zu groß ist die Gefahr, dass sie Opfer der Blutrache werden. Was wohl aus diesen Kindern wird, wenn sie erwachsen sind? Die Gefahr ist dann ja nicht geringer.

In den albanischen Alpen ist es nicht üblich, dass Frauen arbeiten. Die Hotelchefin  aus unserem Hotel in Valbona sucht seit langen vergeblich nach Personal für den Zimmerservice, aber die Männer im  Dorf erlauben ihren Frauen nicht, arbeiten zu gehen.

Unschön teilweise auch die Müllentsorgung: die Menschen, die so einsam in den Bergen leben, werfen den Müll in eine Ecke und zünden das alles einmal po Woche an. Wer in der Nähe eines Flusses lebt entsorgt seinen Müll halt dort, in der Drin haben wir leider viel Plastikmüll herumschwimmen gesehen. Die Menschen in den Städten sind aber natürlich an eine Müllabfuhr angeschlossen, wobei mir aber unklar ist, wohin der Müll transportiert wird.

Nach Jahrzehnten kompletter Isolation ist Albanien seit dem Sturz des kommunistischen Regimes 1990 offen für Touristen aus aller Welt und wir haben viele Nationalitäten getroffen, die teilweise in Gruppen, teilweise aber auch ganz alleine unterwegs waren. Ein Paar aus Luxemburg war seit Wochen alleine in Albanien unterwegs, immer ohne Plan wo sie die Nacht verbringen, und es hat immer geklappt. Teilweise haben sie bei Privatleuten für 15 Euro pro Nacht geschlafen, teilweise noch ein Hotel gefunden. Gastfreundschaft haben sie - und wir auch - überall getroffen und überall kommt man auch ohne albanische Sprachkenntnisse weiter.

Obwohl die meisten Albaner Moslems sind sieht man fast keine verschleierten Frauen, die Albaner interessieren sich nicht sonderlich dafür, wer welchen Glauben hat und Mischehen zwischen Moslems und Katholiken oder Orthodoxen sind ganz normal.

Das Reisen in einer Gruppe ist aber wirklich anstrengend, kaum ist man irgendwo ausgestiegen um etwas anzuschauen muss man schon wieder weiter, es bleibt kaum Zeit um in Ruhe Fotos zu machen geschweige denn mal ein paar Souvenirs zu kaufen. Von Erholung kann also in bei so einer Studienreise nicht die Rede sein, aber das hatten wir ja auch nicht erwartet.

Die Organisation war teilweise nicht so gut, obwohl unser Reiseleiter und der Fahrer supernett und bemüht waren. Man merkte aber ziemlich deutlich, dass  aus Deutschland fast alles an die albanische Agentur abgegeben wurde. Natürlich ist klar, dass es in Albanien nicht den gleichen Komfort gibt wie in Deutschland, aber die erste Nacht in Tirana war in Anbetracht des Reisepreises schon  wirklich ein starkes Stück. Ich hätte auch erwartet, dass der Reiseleiter mit einer kleinen Reiseapotheke oder wenigstens einem Verbandskasten ausgestattet ist, aber das war leider nicht so. Als der Professor bei der Wanderung stürzte hat er sich zum Glück nur leicht verschrammt, bei einer übleren Verletzung hätte es nicht mal Verbandszeug gegeben.

Auch das Handling dieses Blogs ist von unterwegs eher mühsam und viele Funktionen lassen sich vom IPhone gar nicht nutzen, insbesondere was das hochladen von Bildern angeht. Eure Kommentare haben mich wirklich gefreut, auch wenn ich von manchen Kommentatoren bis gestern nicht wusste wer dahintersteckt (Gruß nach Heilbronn).